Privatleben

von Ulrike Syha|Uraufführung (Auftragswerk)
4. 10. 2008
Schauspiel Chemnitz; Mühlheimer Theatertage
Eröffnung der Direktion Enrico Lübbe

PRIVATLEBEN wurde zu den 34. Mülheimer Theatertagen NRW eingeladen und wurde dort am 18. und 19. Mai 2009 gezeigt. Die erfolgreiche Zusammenarbeit von Ulrike Syha und Dieter Boyer wird im Februar 2010 im Schauspiel Chemnitz mit einem weiteren Aufttragswerk fortgesetzt.

In dem ganzen Beziehungswirrwar, der im Verlauf des Stückes immer mehr zunimmt - was ist für Dich das Interessanteste des Stücks?
Das Beziehungswirrwar! Ich mag es, wie die Figuren immer wieder versuchen Beziehungen zu leben, obwohl sie sich eigentlich völlig inkompetent fühlen. Mich interessiert das Scheitern sowieso immer viel mehr als das Gelingen, im Scheitern sind die Figuren doch alle recht virtuos! ...

Hat das Stück Deiner Meinung nach mit Fragen des „Feminismus“ zu tun? Geht es darum? Geht es um moderne Frauen- und Männerbilder?
Wer ein zeitgenössisches Beziehungsstück schreibt steckt schon  mitten in einer Genderdiskussion, das ist auch gut so. Sich auf humorvolle Weise mit Geschlechterrollen auseinander zu setzen wie es Syha in Privatleben macht, finde ich gut. Was ein Bewusstsein unserer Geschlechterrolle betrifft haben wir Männer ja noch einiges nachzuholen.

Du hast einmal gesagt „Theater ist immer ein politischer Akt“. Warum? Und würdest Du das auch auf die Produktion „Privatleben“ anwenden?
Klar! Eine Thematik auf die Bühne zu stellen, ihr Öffentlichkeit zu geben ist ein politischer Akt. Es wäre feige sich in eine Position der Beliebigkeit und Verantwortungslosigkeit zurück zu ziehen, wir haben doch zu verantworten was wir auf die Bühne bringen. Die Relevanz liegt bei Privatleben in der Gesellschaftspolitik. Es ist ja eine Wahl, gerade eine Frau durch ein Stück zu begleiten, die in ihren gesellschaftlichen Rollen als Geliebte und Tochter gezeigt wird, wohingegen der Mann als wandelnde Beziehungsinkompetenz und Geschäftsmann, die beschlossen hat sich „überhaupt nicht mehr in das Leben von anderen Menschen, also Frauen, einzumischen.“ durch das Stück läuft. Das sind doch recht typische gesellschaftliche Verortungen von Figuren, wie sie hier aber gerade an diesen scheitern (müssen) ist interessant. Wie Männer und Frauen miteinander umgehen, wie sie versuchen gewisse Konventionen zu brechen und gewisse doch leben wollen ist meiner Meinung nach gesellschaftlich relevant.

Das Stück Privatleben hebt eine einfache Erzählchronologie aus den Angeln. Wußtest Du gleich nach dem Lesen, wie es gehen wird, wie es funktionieren kann? Was ist die Herausforderung, wenn 5 Schauspieler 16 Rollen spielen sollen und es ca. 13 verschiedene Schauplätze gibt?
Ich hatte recht schnell eine grundlegende Vorstellung, und mir war klar, dass ich das Stück nicht einfach in Szene setzen kann. So habe ich mich dazu entschieden einen Spielstil bzw. Zugang zu entwickeln der es den SchauspielerInnnen ermöglicht sich in diesen schnellen Wechseln von Orten und Figuren möglichst frei zu bewegen. Aber das musste sich erst im Probenprozess beweisen und in Zusammenarbeit mit den SchauspielerInnen erarbeitet werden. Es macht Freude so ein Spielsystem zu entwickeln, wenn man ein spielfreudiges Team hat wie ich es hier vorgefunden habe.

Wie waren die ersten Gedankengänge zusammen mit Deinem Ausstatter Hugo Gretler?
Wegen der vielen Ortswechsel ging es diesmal hauptsächlich darum keine Verortung vorzugeben und doch Spielmöglichkeiten zu schaffen. Mit Hugo läuft es eigentlich immer so, dass wir uns ein paar Mal zusammensetzen und über das Stück reden – nicht über das Bühnenbild – und irgendwann fängt einer an herum zu kritzeln, meist auf Zetteln die rumliegen, Servietten, Bierdeckel. Und dann bekomm ich mal erste Entwürfe, über die reden wir dann, einigen uns und auf der Probe ändern wir dann doch wieder einiges.

Wie hast Du die Aufgabe Deines Musikers Martin Arnold gesehen, als Du Dich dafür entschieden hast, daß eine Zusammenarbeit mit ihm für „Privatleben“ unerlässlich ist?
Ich will in der Musik die gleiche Professionalität haben wie in allem anderen und daher braucht es einfach einen Musiker. Martin ist ein toller und vor Allem ein unsagbar vielseitiger Musiker. Er schreibt Musik die dem Stück dient, und er verlangt dabei sehr viel inhaltliche Auseinandersetzung von mir als Regisseur, da gibt es viel reden bevor der erste Ton komponiert ist. Irgendwie ist es ein ganz entspanntes und uneitles Arbeiten mit den beiden.

SIE Bettina Schmidt
ER Tilo Krügel
Schaffner 1 / Fussballfreund / Josef / Walther / Pablo /Peter Yves Hinrichs
Mutter / Hotelfachangestellter /Schaffner 2 / Kellnerin / Larissa / Silke Caroline Junghanns
Kind / Handy / Rainer / Koch / Frau Scheider / Karlas Vater Bernd-Michael Baier

Inszenierung Dieter Boyer
Ausstattung Hugo Gretler
Musik Martin Arnold
Dramaturgie Esther Holland-Merten

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©2017 Dieter Boyer