Traumwand

Symposium|Denken ist Voraussetzung, kein höfliches Ersuchen.
Leitung, Konzeption
3. 8. 2009
Traunwand-Alm
Lectures von KünstlerInnen für KünstlerInnen
Ein Symposion anonymen Kunstschaffens

Auf Einladung von Pillippe Narval entwickelte und realisierte Dieter Boyer ein internationales Symposion von und für KünstlerInnen zum Thema Anonymes Kunstschaffen.

internationale kunstschaffende aus verschiedenen europäischen ländern haben sich von 3. bis 9. august 2008 auf der traumwand im salzkammergut zu einem künstlerischen austausch getroffen. alle eingeladenen künsterInnen sind in ihrem persönlichen umfeld einem kunstmarkt ausgesetzt. einem markt (oder der abwesenheit jeglichen marktes wie im falle der eingeladenen weissrussischen künstler) der ihrem kunstschaffen zusehens die inhaltlicheit nimmt, indem die metainformation über die kunstwerke immer stärker ihren wert und ihre berechtigung bestimmen, wobei für die inhaltlichkeit von arbeiten kaum raum bleibt. die idee ist es den kunstschaffenden die möglichkeit eines intensiven austausches an einem geografisch exponierten ort zu geben. an einem ort hoch in den bergen an dem all die metainformation irrelevant wird, auch weil der ort in seiner abgeschiedenheit und einfachheit weder raum für ruhm und erfolg noch für repression von außen gibt. aber raum für das teilen von ideen. die traumwand wird ein ort des teilens und schenkens von ideen gewesen sein.  das symposion wird veranstaltet in der gewissheit, dass das teilen von ideen immer eine win win situation geben wird, dass das beanspruchen von urheberschaft zugunsten eines diskurses aufgegeben wird. was passiert wenn die idee, das kunstwerk, der texte die frage nach autorenschaft schlicht verweigert?

Artistic Lectures
was wir von den teilnehmerInnen fordern ist, dass sie ein thema / eine idee / eine problem mitbringen zu dem sie ein artistic lecture von 4 std halten werden. in dieser zeit soll jede/r künstler in einer von ihr/ihm gewählten form ein zentrales anliegen in seiner/ihrer arbeit präsentieren/vorstellen/aufwerfen – sich ihm stellen. diese lectures ist ein geschenk das die teilnehmer füreinander mitbringen, eine möglichkeit erfahrungen zu teilen. ein wichtiger teil der lectures wird auch der inhaltliche austausch über das vorgebrachte thema/die vorgebrachte vision/das ungelöste probelm sein. ziel ist es auch ein gemeinsames denken vor ort zu inizieren. hier ist der raum für das, wofür es scheinbar keinen ort gibt! teil der lecture wird eine text sein. der text wird vor beginn des symposions an die teilnehmerInnen ausgesandt, damit sich alle auf das kommende vorbereiten können. nach dem symposion werden die texte überarbeitet und von den veranstalterInnen in einer anonymen publikation veröffentlicht. diese publikation wird im herbst 2008 erscheinen. das ergebnis der arbeit wird vor allem aber auch in den menschen zu sehen sein, die an dem projekt teilnehmen und einen diskurs in ihr schaffen tragen werden, der seinen ursprung in der ungewöhnlichen auseinandersetzung an einem ungewöhlichem ort genommen haben wird. eine erfahrung der intelektuellen auseinandersetzung in der ausgesetztheit der alpen wird so eingang in das kunstschaffen an den verschiedensten orten finden. warum eine anonyme publikation? wenn niemand autorenschaft beanspruchen darf, kann auch niemand autorität beanspruchen.das kunstwerk an sich hat kaum mehr wert. es besteht kaum interesse an inhaltlichkeit und aussage des werkes. es gilt sich abzugrenzen, weil alles was an der kunst interessiert, ist die metainformation: in welchem kontext ist es erschaffen, bei wem hat der/die künstlerIn gelernt; mit wem war er/sie in der klasse. die erstandene kunst wird vom erwerber so kontextualisiert, dass sie weitgehend so funktioniert, dass sie eine erweiterung des besitzers darstellt ohne eine eigenständliche inhaltlichkeit zu behalten oder sie zu verteidigen. und die wichtigste metainformation ist: in welchem kontext wurde das werk vermarktet; wer hat es gekauft / in auftrag gegeben und wie viel wurde dafür bezahlt. damit bietet kunst in seiner marktorientiertheit ein klares bild der zeit. die inhaltliche auseinandersetzung haftet oft nur als image dem künstler an aber ist im kunstwerk kaum repräsentiert. bzw. ist die repräsentation von inhaltlichkeit im kunstwerk keineswegs vom kunstmarkt erwünscht. es gibt keine kriterien des beurteilens von kunst mehr. auf dem weg der befreiung vonästhetischen formen und begriffen haben wir dem markt das künstlerische werturteil überlassen.die merkantilisierung der welt hat das kunstschaffen erreicht. ist ein werk mit zahlen bewertet existiert es – ist „mit ihm zu zählen“ ohne dieser zuordnung ist nicht mit der kunst zu rechnen. das gezählte (gezahlte) existiert, der nicht mit ziffern belegbare wert ist als solcher nicht vorhanden (ist auch nicht „O“!) in einer gegenbewegung der neuen ideologisierung der gesellschaft bin ich der meinung, dass wir visionen, idologie und moral nicht (in einer postmodernen tradition verhaften bleibend) denen überlassen dürfen die sie in repressiver weise gesellschaftlich verwenden. wir haben uns weitgehend darauf geeinigt, dass unser kunstschaffen sowieso keinen einfluss auf die gesellschaft habe, dass es naiv wäre als künstler einen relevanten gesellschaftlichen beitrag leisten zu können. ich halte das für feige. das soll keineswegs ein aufruf zu einer reideologisierung und instrumentalisierung von kunst sein. viel mehr geht es darum dem kunstwerk und dem künstlerischen schaffen eine inhaltliche relevanz zurückzugeben. in erster linie geht das wohl indem man den mut aufbringt seinem eigenen kunstschaffen und seinen gedanken relevanz zuzusprechen. nicht nach den gesetzen des marktes zu agieren, sondern sich selber gestellter kriterien zu bedienen, zu einer inhaltlichkeit seiner arbeit zu stehen, heißt auch eine inhaltliche auseinandersetzung fordern zu können. ich will rezipienten aufforderung sich der inhaltlichkeit unserer arbeit zu stellen. ich will auffordern komplexe inhalte komplex bearbeiten zu dürfen. ich will auffordern einer barbarisierung des denkens entgegen zu wirken das sich aus kurzschlüssen und schnellschüssen nährt. diese schnellschüsse werden im zuge der verwertung von künstlern zu markenzeichen geschaffen bzw fußen auf künstler die ihre werke in gesellschaflicher, politischer und philosophischer gleichgültigkeit vermarkten. es ist notwendig, dass kunst den weg einschlagen kann, den nicht-materialistische vom Vorrang der Idee vor der Form überzeugte Vorgänger ihr geebnet haben. 

Denken ist Voraussetzung, kein höfliches Ersuchen.

teilnehmende KünstlerInnen: 
Andre Teodos (Portugal); Neil Fleiming (Great Britain), Milena Bogavac (Serbien), Laszlo Upor (Ungarn), Kate Moyse (Great Britain), Peter Kratzer (Österreich), Christian Eisenberger (Österreich)

GastgeberIn: Pillippe und Christina Narval

Leitung: Dieter Boyer

Denken ist Voraussetzung, kein höfliches Ersuchen.Denken ist Voraussetzung, kein höfliches Ersuchen.Denken ist Voraussetzung, kein höfliches Ersuche
©2017 Dieter Boyer